Metallische Verteilung mit blauen Kugeln und Paketboxen als Symbol für die Priorisierung von Werbekanälen

Google Ads: Kanalpriorisierung und Budgetverteilung für Onlineshops richtig einsetzen

Google Ads bekommt eine zusätzliche Stellschraube für die Verteilung des Kampagnenbudgets: Mit Kanalpriorisierung lässt sich festlegen, welche Inventare zuerst bedient werden. Für nachrangige Kanäle kommt bei unterstützten Kampagnentypen eine optionale Budgetallocation hinzu. Für Onlineshops ist das interessant, wenn etwa Suchnetzwerkpartner nicht nur an- oder ausgeschaltet, sondern kontrollierter eingebunden werden sollen.

Der entscheidende Unterschied steckt im Kleingedruckten: Eine Priorität ist kein eigener Budgettopf. Und eine Budgetallocation ist grundsätzlich eine Best-effort-Grenze, kein garantierter Ausgabendeckel. Ich würde diese Steuerung deshalb zuerst als begrenzten Test behandeln – nicht als Anlass, vor dem Saisongeschäft die gesamte Kampagnenstruktur umzubauen.

Was seit Oktober 2026 ausrollt

Google hat die Funktionen am 14. Oktober 2026 angekündigt. Laut operativer Hilfe beginnt die schrittweise Bereitstellung am 15. Oktober für Search, Shopping, Performance Max und Demand Gen. Der Rollout erstreckt sich über die kommenden Monate. Das bedeutet nicht, dass jeder Shop die Einstellungen bereits sieht oder dass alle Kampagnentypen dieselben Möglichkeiten bekommen.

Du kannst unterstützte Kanäle als High priority oder Low priority einstufen. Standardmäßig stehen alle auf High priority. Die Einstellungen sind auf Konto-, Kampagnen- und bei passenden gemeinsamen Budgets auf Budgetebene vorgesehen. Ein Konto-Standard wirkt auf die berechtigten Kampagnen des betreffenden Typs, solange keine abweichenden Einstellungen greifen. Für einen ersten Test ist diese Reichweite wichtig: Ein einzelner Eingriff sollte nicht versehentlich mehrere laufende Kampagnen verändern.

Priorität und Budgetallocation lösen unterschiedliche Aufgaben

Mit High priority bestimmst du, wo Google das Budget zuerst einsetzen soll. Bei Ziel-ROAS oder Ziel-CPA gilt dabei weiterhin das jeweilige Ziel. Low priority bedeutet nachrangig, nicht automatisch ausgeschlossen und auch nicht automatisch auf einen festen Betrag begrenzt.

Für unterstützte Low-Priority-Kanäle lässt sich zusätzlich ein gewünschter Anteil des durchschnittlichen Tagesbudgets festlegen. Google versucht, die Ausgaben dieses Kanals innerhalb dieses Anteils zu halten. Die Hilfe weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die tatsächlichen Tagesausgaben darüber liegen können. Nicht verbrauchte oder überschrittene Beträge werden nicht in den nächsten Tag übertragen.

Fiktives Rechenbeispiel: Eine Kampagne hat ein durchschnittliches Tagesbudget von 200 Euro. Bei 10 Prozent Allocation für einen Low-Priority-Kanal versucht Google, dessen Ausgaben bei höchstens 20 Euro pro Tag zu halten. Das ist keine Garantie. Gibt die gesamte Kampagne an einem Tag nur 80 Euro aus, wird daraus außerdem nicht automatisch eine Grenze von 8 Euro: Bezugsgröße bleibt das durchschnittliche Tagesbudget, nicht der tatsächliche Tagesverbrauch.

Die Hilfe nennt für eine Allocation von 0 Prozent ausdrücklich, dass Google auf diesem Kanal nicht ausgibt. Diesen Sonderfall sollte man nicht mit der allgemeinen Best-effort-Logik positiver Prozentwerte verwechseln.

Welche Kanäle sich je Kampagnentyp steuern lassen

Kampagnentyp Gruppen für die Priorisierung Budgetallocation
Search Google Suche, Suchnetzwerkpartner, Google Displaynetzwerk Optional für Low priority, sofern im Konto verfügbar
Shopping Google Suche, Suchnetzwerkpartner Optional für Low priority, sofern im Konto verfügbar
Performance Max Google channels als Gruppe, Suchnetzwerkpartner, Google Displaynetzwerk Optional für Low priority, sofern im Konto verfügbar
Demand Gen Google channels als Gruppe, Google Displaynetzwerk Nicht unterstützt

Gerade bei Performance Max ist die Gruppierung wichtig. Google bündelt eigene Oberflächen wie Search, YouTube, Maps, Gmail und Discover als „Google channels“. Die neue Steuerung bedeutet deshalb keine separaten PMax-Budgets für YouTube, Search oder Discover. Sie ersetzt auch keine sinnvolle Produkt- und Kampagnenstruktur. Die Grundlagen dazu beschreibe ich im Beitrag zur Performance-Max-Optimierung für Onlineshops.

Bei gemeinsamen Budgets müssen die verbundenen Kampagnen denselben Typ haben. Eine Allocation bezieht sich dann auf den gemeinsamen Budgetpool, nicht auf einen zusätzlichen Einzelbetrag je Kampagne. Kampagnengesamtbudgets unterstützen die Priorisierung laut Hilfe nur bei Demand Gen. Für andere Kampagnentypen mit Kampagnengesamtbudget greifen die Prioritätseinstellungen nicht.

Warum Ziel-ROAS die Wirkung der Priorität verändert

Eine Ziel-ROAS-Kampagne ohne Budgetlimit verhält sich anders als eine Kampagne, die ihr Budget ausschöpft. Ist sie nicht budgetlimitiert, versucht Google das Ziel kanalübergreifend zu erreichen. Die bloße Einstufung in High oder Low priority ändert die Ausgabenverteilung dann grundsätzlich nicht. Eine gesetzte Allocation auf einem unterstützten Low-Priority-Kanal bleibt trotzdem relevant.

Ist die Ziel-ROAS-Kampagne budgetlimitiert, sollen High-Priority-Kanäle zuerst innerhalb des Zielwerts bedient werden. Würde zusätzlicher Einsatz dort das Ziel überschreiten, kann Budget an Low-Priority-Kanäle gehen, wenn diese Conversions zum Ziel liefern können. Die gegebenenfalls gesetzte Allocation gilt weiterhin.

Bei „Conversion-Wert maximieren“ ohne zusätzlichen Zielwert beschreibt Google die Reihenfolge anders: Zuerst wird das Budget auf High-Priority-Kanälen eingesetzt; kann es dort wegen Einstellungen oder geeigneter Nachfrage nicht vollständig genutzt werden, folgt das verbleibende Budget auf Low priority. Deshalb gehört vor jede Änderung die Notiz, welche Gebotsstrategie tatsächlich aktiv ist. Die allgemeine Einordnung von Geboten und wirtschaftlichen Zielen liefert der Beitrag zu Smart Bidding und Budgetsteuerung; hier geht es gezielt um die neue Inventarverteilung.

Display Expansion: Februar 2027 ist ein eigener Termin

Vom Rolloutstart im Oktober ist die spätere Umstellung bestehender Search-Kampagnen mit aktivierter Display Expansion zu unterscheiden. Ab Februar 2027 sollen diese automatisch auf Kanalpriorisierung und Budgetallocation umgestellt werden. Die bisherige Ausgabenverteilung entfällt; dadurch können sich Kanalanteile verschieben.

Um die bisherige Konfiguration beizubehalten, nennt Google für diese betroffenen Search-Kampagnen das Google Displaynetzwerk mit Low priority und 50 Prozent täglicher Budgetallocation. Auch das ist Best effort. Es ist weder eine allgemeine Empfehlung, die Hälfte jedes Shopbudgets in Display zu investieren, noch eine Pflichtänderung für sämtliche Kampagnen.

Wer die neuen Prioritäten bei einer betroffenen Search-Kampagne schon vor Februar setzt, ersetzt damit unmittelbar das bisherige Display-Expansion-Budgetverhalten. Außerdem soll das Displaynetzwerk nach der Umstellung bei Search mit der Gebotsstrategie „Angestrebter Anteil an möglichen Impressionen“ nicht mehr ausgeliefert werden. Für solche Kampagnen gehört die Prüfung in die Vorbereitung auf Februar, nicht in eine pauschale Oktober-Checkliste für alle Konten.

So würde ich den ersten Shop-Test eingrenzen

  1. Eine konkrete Hypothese auswählen. Zum Beispiel: Suchnetzwerkpartner sollen nachrangig mitlaufen, während die Google Suche Vorrang erhält. Nicht gleichzeitig Ziel-ROAS, Sortiment und Kanalsteuerung verändern.
  2. Ausgangslage sichern. Gebotsstrategie, Budgetlimit, durchschnittliches Tagesbudget, bisherige Kanalverteilung und Kaufwerte dokumentieren. Bei gemeinsamen Budgets alle betroffenen Kampagnen erfassen.
  3. Verfügbarkeit und Geltungsbereich prüfen. In den Kontoeinstellungen oder unter Kampagne → Einstellungen nach der Karte zur Kanalpriorisierung suchen. Kampagnenabweichungen und gemeinsame Budgets beachten. Nicht vom Vorhandensein bei Search auf Demand-Gen-Allocation schließen.
  4. Priorität und gegebenenfalls Allocation getrennt festlegen. Die Prozentzahl mit dem durchschnittlichen Tagesbudget in einen Orientierungsbetrag übersetzen. Im Testprotokoll ausdrücklich festhalten, dass dies bei positiven Werten kein garantierter Kanaldeckel ist.
  5. Ausgaben und Geschäftsergebnis gemeinsam auswerten. Kanalverbrauch, Käufe und Conversion-Wert mit der Ausgangslage vergleichen. Conversion-Verzögerungen, geänderte Aktionen und Produktverfügbarkeit berücksichtigen. Einen Auswertungszeitpunkt passend zur eigenen Datenmenge festlegen, statt aus einzelnen Tagen ein Urteil abzuleiten.

Vor Black Friday ist ein sauber abgegrenzter Test nützlicher als eine neue Einstellung auf allen Kampagnen. Die Vorbereitung von Budget, Feed und Angebotsseiten bleibt ein eigener Arbeitsstrang. Kanalpriorisierung repariert weder falsche Kaufwerte noch ein nicht lieferbares Angebot.

Die sinnvolle Entscheidung ist nicht immer eine Änderung

Wenn ein Shop mit verlässlichen Kaufwerten und wirtschaftlich begründetem Ziel-ROAS arbeitet, kann die neue Steuerung einen gezielten Test vereinfachen. Fehlt dagegen die Datenbasis oder ist unklar, warum ein Kanal anders behandelt werden soll, würde ich zuerst diese Frage lösen. Ein neuer Schalter ist noch keine Strategie.

Falls du die Budgetverteilung prüfen lassen möchtest, schaue ich mit dir auf Gebotsstrategie, betroffene Kampagnen und wirtschaftliche Leitplanken – bevor eine Einstellung kontoübergreifend wirkt. Google-Ads-Budgetverteilung besprechen.

Quellen und Stand

Stand: 20. Oktober 2026. Grundlage sind die Google-Ankündigung vom 14. Oktober 2026 und die operative Google-Ads-Hilfe zu Kanalpriorisierung und Budgetallocation. Die genaueren Kampagnentyp-Grenzen stammen aus der Hilfe. Verfügbarkeit und Oberfläche können während des schrittweisen Rollouts abweichen.

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Rolf Schippers

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